Ansprache zur Baumpflanzung in Kappel am 01. Mai 2011

Meine Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,

es ist ja Tradition, daß beim jährlichen Treffen der Evang. Zisterzienser-Erben ein Zisterzienser-Apfelbaum, die Graue französische Renette, gepflanzt wird. Ein Zeichen der Verbundenheit miteinander - aber auch ein Sinnbild. Der Baum - ein Zeichen dafür, wie schön das Leben ist: es geht um Werden, Blühen, Wachsen und Gedeihen. Er predigt gleichsam vom ewig-reichen Gott erinnert an das Paradies und schenkt Augenblicke des Glücks.
Der Baum ist aber immer wieder auch ein Zeichen dafür, wie kompliziert das Leben ist. Er spiegelt keine falsche Idylle. Werden und Vergehen, Mühe und Arbeit, Vergeblichkeit und Mißerfolg gehören dazu.

Der Baum ist eine Gabe Gottes an uns Menschen, ein Zeichen, das uns aufmerksam macht für das Leben, seinen Genuß und seine Gefahren.

Der Obstgarten und Kräutergarten des Klosters ist oft auch als Friedhof genutzt worden. Die Obstbäume sind für die Toten ein starkes Symbol gewesen: die Wurzeln reichen durch die Erde, zu der der Mensch wieder wird, hinab ins Reich des Todes, aber die Krone des Baumes berührt das Himmelreich. So ist für alle, die von der christlichen Auferstehungshoffnung geprägt sind, dies deutlich geworden: erst durch den Tod hindurch entspringt das wahr Leben, volles, unvergängliches, unverbrauchbares Leben.

Diese Graue französische Renette, aus Reisern der Amelungsborner Renette gezogen, ist eine Gabe Gottes an uns, ein Zeichen Gottes dafür, daß weder der, der pflanzt, noch der, der gießt etwas ist, sondern der allein, der das Wachstum gibt und der erhält: unser Gott! Daran möge die Renette viele, die hierher kommen, immer wieder erinnern.

Jürgen Otten



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