Klosterkirche Uetersen
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Die ev.-luth. Kirche Uetersen-Am Kloster- Ein kleiner Kirchenführer.
Von KMD Richard Plath  †  2010 
Überarbeitet von Elsa Plath-Langheinrich
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2. Der Kirchenraum und seine Deutung
Heute betritt man die Kirche durch das Westportal und überblickt sogleich den gesamten Innenraum. Seine
reiche Ausschmückung durch Marmorierung, Rocaillen-Malerei an den Bankwangen und an den Emporen,
Stuck, Schnitzwerk und Vergoldung gibt deutlich Hinweis auf den festlichen Charakter dessen, was in diesem
Raum geschieht: der christliche Gottesdienst mit dem Lobpreis Gottes durch die versammelte Gemeinde.
Die Idee der Gestaltung dieses Raumes entspricht dem Wort eines alten Kirchenvaters, dass der Gottesdienst
auf Erden auf der untersten Stufe des himmlischen Gottesdienstes stattfände. Der Blick des Betrachters wird
durch den Aufbau des Kanzelaltars über die Orgel zur Decke erhoben, die mit einem Fresko von der
Verherrlichung der Dreieinigkeit, dem himmlischen Gottesdienst, geschmückt ist. (Foto: Rudolf Lavorenz)

Durch die gut lesbaren Spruchbänder innerhalb dieses Gemäldes sind in lateinischer Sprache wichtige Elemente
des gottesdienstlichen Lobpreises festgehalten, wie sie seit den Anfängen der Kirche bis in unsere Tage noch
Sonntag für Sonntag erklingen:
   Gloria patri et filio et spiritui sancto - Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste.
   Gloria in exelcis deo - Ehre sei Gott in der Höhe 
   Cantate domino canticum novum - Singet dem Herrn ein neues Lied.

Die Musik des Gottesdienstes, der von der Orgel geführte Lobgesang der Gemeinde verbindet sich mit dem
Lobgesang der Engel, den der italienische Maler Giovanni Battista Innocenzo Colombo (1717-1793) in bewegten
Bildern, über der Orgel beginnend, im großen Fresko des Spiegelgewölbes dargestellt hat. Dem musikalischen
Verständnis seiner Zeit entsprechend hat Colombo dabei die Violone, die große Bassgeige, in den Mittelpunkt
des himmlischen Orchesters gerückt. Das Fresco wurde 2010 restauriert. Das Bild  ist perspektivisch so angelegt,
dass sich der Himmel öffnet, um die versammelte Gemeinde am himmlischen Gottesdienste teilnehmen zu lassen.
                                                                                                                (Foto: Gerda Rohde, vor der Restaurierung)

Die Gestaltung des Kanzelaltars, der nach einem Entwurf des Landbaumeisters Major Müller aus der Werkstatt
des Hamburger Meisters Johann Georg Engert stammt, weist in Figuren und Symbolen die Gemeinde auf die
Heilige Schrift hin. Mose  mit den Tafeln der Zehn Gebote und sein Bruder Aaron im festlichen Gewand des
Hohenpriesters mit dem Weihrauchgefäß bezeugen Gesetz und Tempeldienst des Alten Bundes. Aus dieser
Spannung des Alten Testaments erwächst das Erlösungswerk des Sohnes Gottes, Jesus Christus, in den
Evangelien des Neuen Testaments aufgezeichnet und als Gute Botschaft von der Kanzel verkündet. Die beiden
kleinen Engel am Kanzelkorb  weisen mit Dornenkrone und Nägeln auf die Passion, den Leidensweg Jesu, hin. 
(Foto: John D. Bandiko)

Weiter oben halten zwei allegorische Figuren christliche Symbole: Links Der Glaube mit Bibel und Kruzifix,
rechts  Die Hoffnung mit Anker und Taube, Hinweis auf 1. Brief an die Korinther 13, Vers 13.
Krönender Abschluss dieses Bibel-Altars ist das Lamm  mit der Siegesfahne auf dem Buch mit den Sieben
Siegeln, ein Bild aus der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der Heiligen Schrift.
(Foto: John D. Bandiko)
Die Zuordnung von Taufe, Altar, Kanzel und Orgel als Hauptstücke des kirchlichen Raumes sind für die 1. Hälfte
des 18. Jahrhunderts nicht ungewöhnlich. Ein nahes weiteres Beispiel ist die Kirche zu Rellingen.

3. Die einzelnen Stücke der Ausstattung
Aus der alten,  1748 wegen Baufälligkeit abgerissenen mittelalterlichen Klosterkirche wurden 1749 in den Neubau
wertvolle und der Gemeinde wichtige Stücke übernommen:

Das Altarrelief mit der Darstellung des letzten Passahmahles Jesu mit seinen Jüngern hing auch schon in  der
mittelalterlichen Klosterkirche. Es wurde 1691 von dem Uetersener Kapitän Georg Wibers gestiftet, der dafür ein
Begräbnis im Altarraum der alten  Kirche erhielt. Der Rahmen wurde 1749 hinzugefügt. Der Holzbildhauer, der es
einst fertigte, ist unbekannt. Das Bild ist ein historisches Foto vom Jahre 1988, die beiden gotischen Leuchter
von 1472 sowie das goldene Altarkreuz, 1965 gefertigt vom Hamburger Metallbildhauer Hartwig Ullrich, wurden
im Jahre 2000 Opfer eines Einbruchs. Die goldgestickte Altardecke aus rotem Samt ist ein Geschenk der
Klosterprobsten Benedikt von Ahlefeldt zur Kircheneinweihung 1749. Ahlefeldt stand der von König Friedrich V.
ernannten Kirchbaukommission vor. Die Decke wird schon lange nicht mehr aufgelegt. (Foto: Gerda Rohde)

Das Kruzifix an der Säule rechts vom Altar stammt aus dem 15. Jahrhundert. Die Malereien der Endscheiben
sind Barock. Man dachte lange Zeit, es sei einst von den Zisterzienserinnen als Vortragekreuz gebraucht worden. 
Dafür aber ist es viel zu schwer. Es ist anzunehmen, dass dieses Kruzifix seinen Platz in der alten Kirche hatte,
von der sehr niedrigen Decke hing und, gleichsam als Schranke, den Altarraum (Chor) vom Gemeindeschiff
trennte.  Seine grünen, rotumrandeten Kreuzesbalken, aus denen Knospen hervorbrechen, sind eine
farbsymbolische Umsetzung der Botschaft vom Sieg über den Tod. Ein solches Osterkreuz ist auch in anderen 
Zisterzienserkirchen zu finden, z. b. in Bad Doberan. Einer der Gesänge Hildegards von Bingen lautet:
O edelstes Grün, das wurzelt in der Sonne und leuchtet in klarer Heiterkeit...umarmt von der Herzkraft
himmlischer Geheimnisse. ..Du Grün bist umschlossen von Liebe. (Foto: Elsa Plath)

Der Kronleuchter über der Taufe wurde 1663 von der Priörin Margareta von Ahlefelt gestiftet. Aus Eisenblech
geschnitten und graviert befinden sich auch hier Meerestiere als Symbole der rettenden und Leben spendenden
Taufe. Der Leuchter wurde 1983 von einigen Gemeindemitgliedern, nämlich Helmut Seestädt und Werner Celler,
in ehrenamtlicher Arbeit  restauriert. (Foto: Gerda Rohde)
Der Taufstein  ist um 1700 gearbeitet worden. Drei Delphine, ein frühchristliches Symbol des rettenden
Christus, tragen das Becken, in dem, aus handgetriebenem  Messing, dieTaufschale liegt.                
Sie trägt die Gravierung J.E.M.V.S. Anno 1700 und ist vermutlich von Jungfer Elsabe Maria von Schacken
gestiftet worden, eine der Conventualinnen  jener Zeit. (Fotos: Gerda Rohde)

Der Gotteskasten steht unmittelbar neben der Eingangstür an der 1. Säule rechts. Er wird getragen von der Figur
des armen Lazarus.  Man findet  leicht die beiden Jahreszahlen 1646 und 1674 auf den Eisenbeschlägen. Bis zur
Innenrestaurierung der Kirche im Jahre 1963 hatte dieses Inventarstück, Opferstock genannt,  seinen Platz
rechterhand im Altarraum, wie schon in der alten Kirche. Die an der Kommunion Teilnehmenden machten nach
Empfang der Sakramente einen Wandelgang von links um die Altarwand herum nach rechts, legten ihr Opfer -
nämlich Geld für die die Armenkasse - in den Gotteskasten und gelangten wieder auf ihre Plätze.
(Foto: Gerda Rohde)
     
Das Große vergüldete  Cruzifix  hatte seinen Platz von 1963 an bis zu der im Jahre 1999 begonnenen und in
mehreren Bauabschnitten durchgeführten Restaurierung im linken Vorraum der Kirche. 2004 restauriert, hängt es
seitdem an der Südwand der Westempore. Priörin Anna Emerentia von Revenlow a. d. H. Altenhof hat es 1720
gestiftet als Altarkreuz des einstigen, im Westen der alten Kirche gelegenen Nonnenchores, auf welchem auch die
evangelischen Klosterdamen ihre beiden täglichen Stundengebete, Singstunden geheißen, feierten. Als Großes
vergüldetes Cruzifix in alten Aufzeichnungen mehrfach erwähnt, wurde es 1749 in die neue Kirche übernommen
und hing dort ebenfalls über dem Altartisch des Fräuleinchores, der  im  Zuge  der 1963/62 durchgeführten
Innenrestaurierung zur Empore für die Kantorei umfunktioniert worden ist. (Fotos: Elsa Plath)

Hinter den Fenstern (Bild 3) befand sich die geschlossene Loge der Konventualinnen, die dort saßen, wenn
sie am Gottesdienst teilnahmen, der Platz hinter der Loge war der Ort für die Stundengebete, das erwähnte
vergoldete Kruzifix war an der rückseitigen Logenwand angebracht, darunter befand sich  der Altartisch.
(Foto: Gerda Rohde)

Das Deckenfresko wurde 1749 von dem Kunstmaler Giovanni Battista Innocenzo Colombo geschaffen. Er
war 1717 zu Arogno (Lugano) geboren und ist dort 1793 gestorben. 1741 malte er in Temperafarben das
Deckenbild über der Kaisertreppe im Römer zu Frankfurt. 1748 kam er mit dem Theaterunternehmer Nicollini
als Kulissenmaler nach Hamburg, wo er von der Kirchengemeinde in Uetersen den Auftrag erhielt, das
Kirchengewölbe mit einer Frescomalerei zu zieren. Mitte Juni 1748 begonnen, war das Gemälde am 5. August
desselben Jahres fertig: An diesem Tage wurde ihm von der Kirchbaukasse der Gemeinde sein Lohn in Höhe
von 750 Mark ausgezahlt. Vermutlich hatte er Gehilfen, die aber von ihm selbst entlohnt wurden, denn im
Abrechnungs-Journal treten sie nirgends in Erscheinung. Nach seiner Zeit in Hamburg stand er  18 Jahre im
Dienst des Herzogs von Württemberg. (Foto: Jarek Kulicki, nach der Restaurierung)

Die Orgel wurde 1749 von Johann Dietrich Busch aus Itzehoe  gebaut, einem Schüler von Lambert Daniel
Carstens, der Meistergeselle  des berühmten Arp  Schnitger gewesen ist. Busch hatte die Orgel der alten Kirche
ausgebaut und  dann etliches Pfeifen- und Holzmaterial bei seinem Neubau wiederverwendet.
Das Werk hat im 19. Jahrhundert einige Umbauten erfahren und wurde 1978 durch die Orgelbaufirma Rudolf von
Beckerath, Hamburg, im Pfeifenwerk restauriert und nach den ursprünglichen Mensuren (Maßen) ergänzt,
technisch aber ganz neu aufgebaut.

Vom Neubau der Kirche 1748/49 sind im einzelnen besonders zu erwähnen:

Der Altar nach einem Entwurf des Dänischen Landbaumeisters Major Johann Otto  Müller, Kopenhagen,  aus
der Werkstatt des Hamburger Meisters Johann Georg Engert. Er war unter anderem für die Trinitatiskirche in
Altona tätig und bei der Ausstattung der Michaeliskirche in Hamburg beschäftigt.

Weil das holzgeschnitzte Altarrelief von 1691 ihrem Kunstsinn zuwiderlief - das Osterlamm, so befand sie,
war zum Spanferkel geraten -, stiftete  Frau Priörin Amalia Dorothea Benedicta von  Gollowin  zum
Reformationsjubiläum 1817 dieses Gemälde als neues Altarbild, dessen Schöpfer der Hamburger Maler
Siegfried Bendixen ist. Im Jahre 1958 rückte das ursprüngliche Altarbild wieder an seinen angestammten Platz
und das Ölgemälde hängt seitdem an der Wand der Südempore. (Foto: John D. Bandiko)


1962/63 erfuhr die Kirche eine gründliche Innenrestaurierung unter der Leitung des Architekten  Dr. Ing.
Rehder aus Hamburg-Nienstedten und des Restaurators B. Mannewitz, Bad Oldesloe. Dabei wurde unter
Beibehaltung der Wangen ein neues, bequemeres Gestühl eingebaut. Auch wurden die Malereien in den Feldern
der Emporenbrüstung und die ursprüngliche Marmorierung des Altaraufbaus sowie der Ständer freigelegt.
Unter der Westempore wurde durch Versetzung der  alten Logenfenster zwei Vorräume und eine Eingangshalle
geschaffen. Im linken Vorraum fanden die Portraits früherer Uetersener Pastoren ihre Plätze, im Zuge der 1999
begonnenen Sanierung und Restaurierung der Kirche wurde dieser Vorraum neu gestaltet: es befinden sich dort
jetzt nur noch die Portraits der Pastoren des 20. Jahrhunderts, diejenigen der  früheren Jahrhunderte hängen auf
der Chorempore. Drei Bildnisse schuf der in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts tätige Uetersener Maler Kurt
Roth.

Im Landesmuseum Schleswig befinden sich einige Stücke aus der mittelalterlichen Klosterkirche: Kelch und
Patene aus purem Gold vom Jahre 1504, eine gestickte Leinendecke aus der Nonnenzeit, gearbeitet ca. 1460
und eine Wendeltreppe, die vermutlich zu einer später eingebauten Empore in der alten Kirche führte.
Grabplatten mit ausgezeichneter Steinmetzarbeit befinden sich hinter der Altarwand: 
1. Henning von Qualen, Klosterprobst von 1757 bis 1785;
2. Catharina von Reventlow, Priörin von 1773 bis 1781;
3. Maria Antoinette Gräfin von Ahlefeldt,  Priörin von 1753 bis 1764 ;
4. Magdalena Lucretia von Zepelin, †  1760
5. Margaretha Hedwig von Buchwald, Priörin von 1764 bis 1769
Auch im Mittelgang unter dem roten Läufer befinden sich zwei Grabplatten:
1. Elisabeth Johanna Meyer, geb. 1731 in Hamburg, gest. 1772, und Magister Adolph Meyer,
    hamburgischer Pastor, geb.1700 in Leipzig. Das Jahr des Todes ist nicht angegeben.
2. Matthias Bunde Faber, gest. 20. Sept. 1773.

Zu diesem Grab findet sich im Kerckenbook eine bemerkenswerte Eintragung von Pastor Hoepfner, der von
1807-1830 Klosterprediger war : Am 9. April 1813 wurden in diesem Grab des ehemaligen Kammerdieners
Faber drei ältere Särge beigesetzt, deren Ruhekammer aus dem Jahre 1748 verfallen war. Einer der
kupfernen Särge trug die Aufschrift „Priörin Margareta von Alefelt“ (Priörin von 1656-1681). Sie stiftete u.
a. den Taufleuchter und ließ das Priörinnenhaus an das Kloster anbauen.

Die Orgel.  Erbaut von Johann Dietrich Busch aus Itzehoe (1700-1753),  wurde im Pfeifenwerk restauriert und
technisch neu aufgebaut durch die Firma Rudolf von Beckerath Orgelbau GmbH in Hamburg im Jahre 1978.
Die Wiedereinweihung fand statt am 7. Juli 1978 mit einem festlichen Gottesdienst und einer abendlichen
geistlichen Musik mit Werken von Mendelssohn-Bartholdy, J. G. Walther, D. Buxtehude u. a.

Die Logen an den Seitenwänden waren, wie dieser Kupferstich von 1749 zeigt,  durch Türen unter den großen
Kirchenfenstern von außen direkt begehbar. Als die Gemeinde 1873 den Einbau einer Heizung plante, wurden
diese Außentüren zugemauert, um die Kirche so dicht zu machen wie möglich. Die inneren Fenster können
versenkt werden. Durch den Verkauf der Logen und anderer Plätze kurz vor der Kircheneinweihung 1749
wurde der Bau der Kirche mitfinanziert. Es hieß damals in der Umgebung: In Uetersen is Gotts Woord düer.
Unmittelbar neben der Taufe ist eine Loge mit dem Reventlowschen Wappen. (Bild unten)

Diese Loge kaufte sich, für 400 Mark, die damals residierende, schon erwähnte Priörin Anna Emerentia von
Reventlow. Sie erwarb diese für ihre Gäste, denn sie hatte ihren Platz ja oben in der Mitte des Fräuleinchores.
Doch machte sie von dieser Loge auch für sich Gebrauch, wenn  sie zur Kommunion ging. (Foto: Elsa Plath)
Graphik: Ines Sack 1978                        
FINIS

Die Altarbibel (ohne Abbildung) wurde 1730 bei
Cotta in Tübingen gedruckt und 1751 vom
Klosterprobsten Benedikt von Ahlefeldt zur
Kircheneinweihung gestiftet.


Ebenfalls stiftete er damals die beiden silbernen
Festtagsleuchter. In Verwahrung der Frau Priörin
und bei ihr zu den Festtagen vom Küster in die
Kirche geholt, waren die Leuchter nach dem Tode
der letzten in Uetersen residierenden
Klostervorsteherin 1968 verschollen und wurden von
der Verfasserin dieses 1986 in einer eisernen Lade
des Klosters wiederentdeckt. (Foto: Gerda Rohde)