Kloster Uetersen
benachbarte Städte sind Pinneberg und Elmshorn, nördlich von Hamburg
Das einstige Zisterzienserinnenkloster
und spätere Adelige Damenstift Uetersen in Holstein
Text und Fotos - wenn nicht anders vermerkt - von Elsa Plath-Langheinrich
Der neue Klosterführer ist da!
Er kostet 3,90 E, ist 32 Seiten stark, Vierfarbdruck.
Erhältlich im Uetersener Buchhandel
oder bei der Autorin, dann aber leider zuzüglich Versandkosten. Tel. 04122/2471.
Literatur:
Ergänzende Grafiken und Fotos:
1.
Lageplan der Klostergebäude
Die im Süden des Klosters gelegene Insel, am äußersten Ende der bebaubaren Geest gelegen, vermutlich einstiger Standort einer weiteren Befestigungsanlage des Ritters Heinrich, diente dem Kloster als Bleiche und führt diesen Namen noch heute. Hier ist wirklich das Ueterste End.
Jenseits dieses Erdenfleckchens dehnen sich, einst begehrtes Weideland, die Marschwiesen der Klosterkoppel. In einem strohgedeckten Häuschen auf der Insel zu Hause, amtierte der als Bleicher in klösterlichem Dienst stehende Mann auch als Nachtwächter. Und sonntags trat er den Blasebalg der Orgel. Die Sturmflut von 1856 vernichtete sein idyllisch gelegenes Haus.
2a, 2b.
Residenz des Klosterprobsten
Erbaut 1734 vom damaligen Klosterprobsten
Benedikt von Ahlefeldt,
Herr auf Jersbek und Steegen.
Ihn hatten sich die Damen aus
drei Bewerbern zu ihrem
Probsten gewählt.
3a, 3b. Das Haus der Priörin
Zu jeder Jahreszeit ein idyllischer Anblick, wurde das Haus unter Priörin Margaretha von Ahlefeldt im Jahre 1664 dem mittelalterlichen Südhaus des einstigen Klosterquadrums angebaut und damit die Wunde des Quadrum-Gebäudes geschlossen, die der vorangegangene dänisch-schwedische Krieg demselben durch die Zerstörung des Osthauses zugefügt hatte. Dieses wurde nicht mehr wieder aufgebaut, das Klostergeviert war fortan im Osten offen.
4c.
Die früheste Abbildung der Kirche ist das Titelkupfer auf dem Textblatt der Einweihungskantate vom 7. Dezember 1749.
Vom Hamburger Theater am Gänsemarkt waren 18 Instrumentalisten und Sänger mit ihrem Kapellmeister Monsieur Finazzi nach Uetersen gekommen, um die Musik des Festgottesdienstes aufzuführen.
Der Name des Dichters, Sohn des damaligen Uetersener Pastors Ludwig Ballhorn und damals Schüler des Hamburger Johanneums, ist auf dem Textblatt festgehalten, der des Komponisten leider nicht, auch die Noten des sehr umfangreichen Werkes sind verschollen.
405 Mark zahlte die Gemeinde für die Aufführung, und an Kapellmeister J. Philipp Finazzi am 8. Dezember 1749 noch einmal 12 Reichstaler extra. Wofür? War er der Komponist?
5.
Deckenfresco in der Klosterkirche
Das Engelkonzert oder
Die Verherrlichung der Dreieinigkeit
1748/49 gemalt von damals am
Hamburger Theater tätigen Kulissenmaler
Giovanni Battista Innocenco Colombo
(1717-1793).
Sieben Jahre zuvor hatte er zur Wahl
Kaiser Karls VII. die sog. Kaisertreppe
im Frankfurter Römer mit einem
monumentalen Fresco gleicher Art geschmückt,
Thema: Der Sieg der Tugend über die Untugend.
(Foto: Gerda Rohde,
entnommen dem Buch:
Als Goethe nach Uetersen schrieb.)
6.
Augusta Louise
Gräfin zu Stolberg-Stolberg,
*1753 +1835
Goethes Gustgen,
Uetersener Konventualin 1766-1783
Noch immer begeistert von
Goethes Roman Werthers Leiden,
der 1774 erschienen war,
ließ sie sich 1780 malen
nicht in der Uetersener Stiftstracht,
sondern im Kleid von Werthers Lotte:
"Weiß mit blaßrotem Band."
1783 verließ sie das Stift und wurde
die Gemahlin ihres verwitweten Schwagers
Andreas Peter Graf von Bernstorff.
Gemälde von Jens Juel, Privatbesitz
7.
Klosterhof Nr. 7
Hinter dieser Türe des 1763
erbauten Konventualinnenhauses
war Goethes Gustgen zu Hause.
Hin- und hergerissen von Begeisterung
nach der Lektüre von Werthers Leiden,
wandte sich das damals 21jährige
Klosterfräulein - auch mit Kritik -
an den Autor.
Der von diesem - anonym abgefaßten -
Brief so bezaubert wurde, daß er
"Der teuern Ungenannten" antwortete.
Und so kam ein Briefwechsel in Gang,
der seinesgleichen nicht hat.
8a, 8b. Blick in den zugänglichen Teil des Kreuzganges im Südhaus des Klostergevierts.
1995 als älteste Grabplatte vom Friedhof aufgenommen und konserviert, ist der eine Ritterfigur zeigende Denkstein seitdem vor der Verwitterung geschützt.
Wissenschaftlich zwar nicht haltbar, aber der Sage nach ist dieser Stein für die Uetersener seit Generationen das Grabmal des Klosterstifters Heinrich (II) von Barmstede (+1240)
9. Das Südhaus des Klosterquadrums.
Durch die Jahrhunderte unendlich oft repariert unter Wiederverwendung der alten Steine im Klosterformat sowie auch immer wieder mit neuen aller Art, ist dieses Gebäude, wie das Fundament aufzeigt, aus dem Mittelalter auf uns gekommen. Der innen entlanglaufende Kreuzgang ist noch erhalten, aber nur zu einem kleinen Teil begehbar.
10. Der einstige Klausurgarten wurde zum Friedhof.
Hier fanden die Stiftsdamen ihre letzte Ruhe, in jüngerer Zeit wurden hier auch Pröbste bestattet.
11a, 11b. Das Teehaus.
Seitwärts vom Wege im Park der Priörin gelegen, lädt das kleine Gebäude während der warmen Jahreszeit ein zum gemeinsamen Singen von Volksliedern: einmal im Monat am Sonntagnachmittag um 17 Uhr.
12.
Scheune der Priörin, erbaut ca 1825
In dieses landwirtschaftliche Gebäude
aus alter Zeit, einziges seiner Art,
das die Zeiten überdauerte,
sind Kunst und Kultur eingezogen:
als Stätte für Ausstellungen, Konzerte,
Theater und Lesungen bietet der originelle
Innenraum Platz für an die 100 Besucher.
13.
Praebendenhaus
Aus den Zinsen der von der
im Jahre 1713 zur Priörin gewählten
Anna Emerentia von Reventlow (*1680 +1753)
im Jahre 1750 aufgelegten Armenstiftung
wurde dieses Praebendenhaus im Jahre 1879
als Nachfolgebau des damals baufällig gewordenen
Armenhauses vom Anfang des 18. Jahrhunderts
neu errichtet. Die Lebenshaltungskosten
der acht in einzelnen kleinen Wohnungen
untergebrachten Hilfsbedürftigen wurden,
wie auch schon im alten Gebäude,
vom Kloster getragen.
14. Das klösterliche Vorwerk, erbaut 1818
Der Klostergärtner, der den Park in Ordnung hält, hat hier seine Wohnung.
In früherer Zeit standen hier die Kutschen der Klosterdamen
- so sie denn über eigene verfügten, was nicht immer der Fall war.
15.
Pergamentblatt aus einem im
Uetersener Zistzienserinnen-Kloster
gebrauchten Antiphonar, ca 1450 Antiphonen und Responsorien aus einem Stundengebet zum Feste der Hl. Anna.
In der nachreformatorischen Zeit
genutzt zum Einbinden von Kassenbüchern,
überdauerten außer diesem noch sieben weitere Blätter, beidseitig beschrieben, die Jahrhunderte.
Diese jeweils aus einem anderen Buch
herstammenden Pergamentseiten sind der spärliche Rest einer sicherlich einstmals
sehr umfangreichen Klosterbibliothek.
(Foto: Hajo Hartung-KLOSTERTAGE)
16. Konventsiegel des Zisterzienserinnenklosters Uetersen.
1360 erstmalig nachzuweisen, trägt das Siegel die Umschrift:
S(IGELLUM) CONVENTUS IN UTERSEN ORD(I)NIS CISTE(R)SIE(N)SIS.
(Foto: Hajo Hartung KLOSTERTAGE)
17. Die Stiftungsurkunde des holsteinischen Ritters Heinrich von Barmstede.
Das Dokument ist undatiert. Der Zeitpunkt der Stiftung - um 1235 - wurde aus den Lebensdaten des Stifters erschlossen.
(Foto: Hajo Hartung KLOSTERTAGE)
18.
Rose Augusta Luise
Diese Rose hält die Erinnerung fest
an Uetersens prominente Konventualin
Gräfin Stolberg-Stolberg ,
Goethes Gustgen.
(Züchter und Foto:
RosenWelt Tantau, Uetersen)
19. Uetersener Klosterrose
Die zwei dem Uetersener Kloster
gewidmeten Rosen tragen den
Namen der Stadt in alle Welt
Innerhalb einer festlichen
'Literarisch-Musikalischen Reise'
an Goethes 250. Geburtstag wurde
die Rose 'Augusta Luise' in Uetersen
durch Gustchen Stolbergs Biographin
'getauft'.
(Züchter und Foto:
RosenWelt Tantau, Uetersen)
Klöster in Schleswig-Holstein
Dieter-J. Mehlhorn
Heide 2004
Als Goethe nach Uetersen schrieb
Das Leben der Konventualin Augusta Louise Gräfin zu Stolberg-Stolberg
Elsa Plath-Langheinrich
Neumünster 1989/1993, 376 Seiten
vergriffen, nur noch antiquarisch erhältlich.
J. W. Goethe, Briefe an Augusta Louise zu Stolberg
Goethes Briefe ins holsteinische Kloster Uetersen
Herausgegeben von Elsa Plath-Langheinrich
Neumünster 1999, jetzt 3. Auflage, 116 Seiten, 9,90 E
Heute will ich fröhlich, fröhlich sein…
Von der Freundschaft zwischen der Uetersener Konventualin
Augusta Louise Gräfin zu Stolberg-Stolberg
und dem Wandsbecker Bothen Matthias Claudius
Elsa Plath-Langheinrich
Neumünster 2005, 190 Seiten, 9,90 E
Das Engelkonzert in der Klosterkirche zu Uetersen
Eine Betrachtung des Deckengemäldes in Versen
Elsa Plath-Langheinrich
Mit Illustrationen von Helmut Seestädt
Uetersen 2000
Geschrieben und verkauft zugunsten der Restaurierung der Klosterkirche
Wenige Exemplare a 12,50 E noch bei der Autorin erhältlich.
Die mittelalterliche Klosteranlage Uetersen
Elsa Plath-Langheinrich in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1988
Die Uetersener Klosterkirche wird 250 Jahre alt
Elsa Plath-Langheinrich in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1999
"…Adieu mein guter Wolf - bleiben Sie mein Freund"
'Goethes Gustgen' im Adeligen Damenstift Kloster Uetersen
Zum Goethe-Jubiläumsjahr 1999
Elsa Plath-Langheinrich in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1999
Das historische Altarbild in der Klosterkirche zu Uetersen
Elsa Plath-Langheinrich in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 2002
Das Damenstift Kloster Uetersen in Holstein -
Vorbild für das Königliche Stift Vall? auf Seeland
Elsa Plath-Langheinrich in:
Kraichtaler Kolloquien Band 1
Geistliches Leben und standesgemäßes Auskommen
bibliotheca academica Verlag Tübingen 1998
Stifter- und Wohltätergedenken im Uetersener Kloster nach alten Zeugnissen
Joachim Stüben in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1999; 2004; 2005
Der Uetersener 'Ritterstein' - ein Monument für Heinrich (II.) von Barmstede?
Zur Frage des Gründergedenkens in einem Feldkloster
Joachim Stüben in: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1997
Beziehungen der Schweriner Grafenfamilie zum Kloster Uetersen
nach einer Urkunde des 13. Jahrhunderts
Joachim Stüben in: Mecklenburgische Jahrbücher 111. Jahrgang 1996
Kloster Uetersen in Holstein
Mit Zisterzienserinnen und Adeligen
Stiftsdamen durch acht Jahrhunderte
Verlag Wachholtz Neumünster 2008.
12,90 E
Das Kloster am Uetersten End
Ein kleiner Wegweiser,
Verlag Heydorn Uetersen 2008;
Ladenpreis 3,90 E
'Gesellschaft der Freunde des Klosters Uetersen e.V.'
Klosterprobst Hubertus Graf von Luckner * Klosterhof 1 * 25436 Uetersen
Das Logo dieser Vereinigung ist der Ausschnitt einer um 1830 gefertigten Klosteransicht.
Die hier zusammengeschlossenen Bürger leisten praktische Hilfe bei der Pflege des Klosterparks, steigern dessen Attraktivität durch Anpflanzung von Rosen, säubern einmal im Jahr die Grabsteine auf dem Klosterfriedhof und helfen durch das Einsammeln von Spenden bei der Erneuerung von Gattern, Zäunen und Brücken und sonstigen Instandsetzungsmaßnahmen der Kloster-Grünanlagen.
Da ist zum anderen:
'KLOSTERTAGE UETERSEN'
Arbeitsgruppe im SHHB Ueterst End von 1980 e.V.
Elsa Plath * Bleekerstr. 4 * 25436 Uetersen * Tel./Fax 25436
Was sonst noch vom Kloster zu sagen wäre, ist:
Sich gegenseitig ergänzend, widmen
zwei verschiedene Uetersener Vereine
ihre Arbeit dem Kloster Uetersen.
Beide sind als gemeinnützig und förderungswürdig anerkannt.
Da ist zum einen die:
Unterstützende Vereine
Der 'Ritterstein' in künstlerischer Gestaltung durch
Gordana Köllner ist das Logo der Vereinigung.
Denn deren Initiative ermöglichte die im Jahre 1995
erfolgte Konservierung und anschließend im Kreuzgang
erfolgte Bergung dieses bis dahin ungeschützt der
Verwitterung preisgegebenen ältesten Grabmales
auf dem Klosterfriedhof.
KLOSTERTAGE UETERSEN
betreut das vor Ort befindliche Archiv, hilft durch das
Einsammeln von Spenden mit zur museumsgerechten
Aufbewahrung seiner Bestände und erarbeitet die
Kulturgeschichte des einstigen Zisterzienserinnenklosters
und späteren Adeligen Damenstiftes.
Im Zweijahresturnus von der Gruppe durchgeführt,
lassen die stets Ende September veranstalteten
KLOSTERTAGE UETERSEN
in Wort und Musik das vielschichtige kulturelle Erbe des Klosters,
historisches Zentrum und Wiege der Stadt Uetersen, lebendig werden.
Vom holsteinischen Edelmann Heinrich von Barmstede am äußersten Ende der bebaubaren Geest um das Jahr 1235 gegründet, gedieh das Zisterzienserinnenkloster Uetersen zum geistlichen und geistigen Zentrum der Region, und davon ausgehend als Platz für Handel, Wirtschaft und Kultur zur Wiege der heutigen Stadt.
Durch Brand und Sturmflut Anfang des 15. Jahrhunderts in Existenznot gebracht, erfuhr das Kloster mannigfache Hilfe und Beistand und gewann sehr bald seinen alten Glanz zurück.
Mit Einführung der Reformation, die König Christian III. von Dänemark als Herzog von Schleswig und Holstein durchsetzte, wurden die vier bedeutendsten Nonnenklöster des Landes, nämlich Itzehoe, Preetz, Schleswig und Uetersen auf Betreiben der Ritterschaft zu Adeligen Damenstiften umgewandelt. Auch in Uetersen brachten die unverheirateten Töchter des eingesessenen Adels fortan ihr Leben zu während jener Jahrhunderte, in denen es den Frauen verwehrt war, sich durch einen Beruf eine eigene Existenz aufzubauen. In jenen Zeiten, als die gesellschaftliche Stellung der Frau von dem Stand des Vaters oder Ehemannes abhing, verlieh der Titel 'Stiftsdame' der unverheirateten Frau Unabhängigkeit und Ansehen. Wozu auch die Stiftstracht beitrug, die den Damen verordnet wurde: "Schwarz und Türkischgrün, zu tragen ohne Edelstein."
Seit der Reformation nun nicht mehr Nonnen, sondern Konventualinnen genannt, durften die Damen im Falle der Heirat das Kloster selbstverständlich verlassen, viele von ihnen waren für die Zeit ihres Brautstandes hier gut und sicher aufgehoben, mit dem Tage ihrer Hochzeit wurde ihr Platz für die nächste Anwärterin frei.
Das mittelalterliche Klosterquadrum, in dem die Stiftsdamen wie vorher die Nonnen ihre Wohnungen hatten, bestand fort bis zum Jahre 1657, als der im Anschluß an den 30jährigen Krieg tobende Schwedisch-Dänische Krieg ganz Uetersen heimsuchte, das Kloster nicht verschonte und das Osthaus des Quadrums zu Fall brachte. Als die alte Klosterkirche im März des Jahres 1748 wegen Baufälligkeit und auch, weil sie der wachsenden Gemeinde zu wenig Platz bot, abgerissen wurde, blieb der an ihr entlanglaufende Kreuzgang stehen. Zusammen mit dem Westhaus wurde er dann 1813 entfernt..
Im Gefolge der durch Beseitigung der alten Gebäude bedingten Wohnungsnot der Stiftsdamen entstanden sog. Konventualinnenhäuser. Über das Gelände verteilt, finden sich noch vier dieser schmucken kleinen Wohngebäude.
Zur Zeit des Sturm und Drang wurde Kloster Uetersen zur wichtigen Adresse für die deutsche Literatur: hier war Goethes Gustgen zu Hause, Augusta Louise Gräfin zu Stolberg-Stolberg, die Empfängerin der bedeutendsten,
der aufregendsten Jugendbriefe Johann Wolfgang Goethes.
Das Adelige Kloster ist bis zum heutigen Tage eine selbständige Stiftung. Dem entgegen früherer Zeit sehr verkleinerten Konvent gehören zur Zeit sieben Damen und eine Priörin an. Keine von ihnen nimmt ihr Wohnrecht wahr, verstreut über ganz Deutschland gehen sie bürgerlichen Berufen nach. Sämtliche noch vorhandenen Wohnungen sind privat vermietet.
Daß in Holstein die Klostervorsteherin Priörin und nicht Priorin genannt wird, hängt damit zusammen, daß die
sog. Zwillingslande seit 1460 in Personalunion mit dem Königreich Dänemark verbunden waren und die dänische Sprache das "e" als Dehnungsvokal gebraucht. In Deutschland hingegen formt es das "o" zum Umlaut, und, des Französischen kundig, setzte manche Dame ihre Unterschrift sogar als Prieurin.
Im Schatten der 1748/49 damals neu erbauten spätbarocken Klosterkirche, die einen Kanzel-Orgel-Altar aufweist und deren Plafond mit einem Frescogemälde des ital. Malers Giovanni Battista Innocenco Colombo (1717-1793) geschmückt ist, gruppieren sich in gepflegter Parkanlage malerisch die alten Klostergebäude. Sie stehen alle unter Denkmalschutz:
Das aus dem Mittelalter herkommende Südhaus des einstigen Klosterquadrums, in dem der Kreuzgang noch vorhanden, aber nur zu einem kleinen Teil begehbar ist; die 1734 erbaute und bis zum heutigen Tage vom Amtsinhaber bewohnte Residenz des Klosterprobsten;
die im 17. und 18. Jahrhundert errichteten Konventualinnenhäuser - im Hause Klosterhof Nr. 7 wohnte von 1770 bis 1783 Goethes Gustgen -; unter uralten Bäumen im einstigen Park der Priörin präsentiert sich, einziges seiner Art im Land, das Teehaus; entlang. am historischen Burggraben führt die Gustchen-Stolberg-Promenade zum im Jahre 1818 errichteten Vorwerk; ganz versteckt am südlichen Ende der Klosteranlage befindet sich, Praebendenhaus genannt, das vom Kloster für Arme und Bedürftige gestiftete Altersheim.
Und das älteste Haus Uetersens ist, mit Wirtschaftshof und Scheune, das 1664 damals neu erbaute Priörinnenhaus, in welchem, in ununterbrochener Folge bis zum Jahre 1968, die Uetersener Priörinnen Amtssitz und Wohnung hatten. Heutzutage wird das Haus als Restaurant genutzt. Die dahinter befindliche Scheune wurde im Herbst des Jahres 2006 in ehrenamtlicher Arbeit hergerichtet zu kultureller Nutzung.
Und auf dem Klosterfriedhof, zu dem der einstige Klausurgarten geworden ist, wissen die uralten Grabsteine der in Uetersen verstorbenen Konventualinnen und Klosterpröbste manche Geschichte zu erzählen aus alter Zeit.
Die Rose wegen ihrer sich fest übereinander schließenden Blütenblätter zum Symbol des Geheimnisses und der Verschwiegenheit deutend, erkoren sich die Zisterzienser des Mittelalters die Rose zur heiligen Blume und weihten sie der Gottesmutter Maria. An diese Tradition erinnernd, wurden Wege und Plätze des Parks mit Rosen bepflanzt. Neben alten englischen Sorten finden sich auch die beiden von der in Uetersen ansässigen Firma RosenWelt Tantau gezüchteten und dem Kloster gewidmeten beiden Rosen: 'Augusta Luise' und 'Uetersener Klosterrose', beide mit betörendem Duft.
Anschrift: Adeliges Kloster Uetersen,
Klosterprobst Hubertus Graf von Luckner
Klosterhof 1 , 25436 Uetersen
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4a, 4b. Die 1748//49 damals neu erbaute Klosterkirche spiegelt sich im Burggraben. Mit dieser Bezeichnung des eine Insel umlaufenden Gewässers hält der Volksmund den Standort der Burg, des Castrums des Klostergründers fest. Der wuchtige, in das Kirchengebäude eingezogene Turm des, in Tradition der einstigen Zisterzienser-Nonnenkirche, nach Osten ausgerichteten 40 Meter langen Gotteshauses wird von der Morgensonne beschienen.