Kloster Uetersen
Text und Fotos - wenn nicht anders vermerkt - von Elsa Plath-Langheinrich
Vorstellung des Klosters mit Fotos, Grafiken und Text
1.
Lageplan der Klostergebäude
Die im Süden des Klosters gelegene Insel, am äußersten Ende der bebaubaren Geest gelegen, vermutlich einstiger Standort einer weiteren Befestigungsanlage des Ritters Heinrich, diente dem Kloster als Bleiche und führt diesen Namen noch heute. Hier ist wirklich das Ueterste End.
Jenseits dieses Erdenfleckchens dehnen sich, einst begehrtes Weideland, die Marschwiesen der Klosterkoppel. In einem strohgedeckten Häuschen auf der Insel zu Hause, amtierte der als Bleicher in klösterlichem Dienst stehende Mann auch als Nachtwächter. Und sonntags trat er den Blasebalg der Orgel. Die Sturmflut von 1856 vernichtete sein idyllisch gelegenes Haus.

2a, 2b.
Residenz des Klosterprobsten
Erbaut 1734 vom damaligen Klosterprobsten
Benedikt von Ahlefeldt,
Herr auf Jersbek und Steegen.
Ihn hatten sich die Damen aus
drei Bewerbern zu ihrem
Probsten gewählt.

3a, 3b. Das Haus der Priörin
Zu jeder Jahreszeit ein idyllischer Anblick, wurde das Haus unter Priörin Margaretha von Ahlefeldt im Jahre 1664 dem mittelalterlichen Südhaus des einstigen Klosterquadrums angebaut und damit die Wunde des Quadrum-Gebäudes geschlossen, die der vorangegangene dänisch-schwedische Krieg demselben durch die Zerstörung des Osthauses zugefügt hatte. Dieses wurde nicht mehr wieder aufgebaut, das Klostergeviert war fortan im Osten offen.
4c.
Die früheste Abbildung der Kirche ist das Titelkupfer auf dem Textblatt der Einweihungskantate vom 7. Dezember 1749.
Vom Hamburger Theater am Gänsemarkt waren 18 Instrumentalisten und Sänger mit ihrem Kapellmeister Monsieur Finazzi nach Uetersen gekommen, um die Musik des Festgottesdienstes aufzuführen.
Der Name des Dichters, Sohn des damaligen Uetersener Pastors Ludwig Ballhorn und damals Schüler des Hamburger Johanneums, ist auf dem Textblatt festgehalten, der des Komponisten leider nicht, auch die Noten des sehr umfangreichen Werkes sind verschollen.
405 Mark zahlte die Gemeinde für die Aufführung, und an Kapellmeister J. Philipp Finazzi am 8. Dezember 1749 noch einmal 12 Reichstaler extra. Wofür? War er der Komponist?
5.
Deckenfresco in der Klosterkirche
Das Engelkonzert oder
Die Verherrlichung der Dreieinigkeit
1748/49 gemalt von damals am
Hamburger Theater tätigen Kulissenmaler
Giovanni Battista Innocenco Colombo
(1717-1793).
Sieben Jahre zuvor hatte er zur Wahl
Kaiser Karls VII. die sog. Kaisertreppe
im Frankfurter Römer mit einem
monumentalen Fresco gleicher Art geschmückt,
Thema: Der Sieg der Tugend über die Untugend.
(Foto: Gerda Rohde,
entnommen dem Buch:
Als Goethe nach Uetersen schrieb.)
6.
Augusta Louise
Gräfin zu Stolberg-Stolberg,
*1753 +1835
Goethes Gustgen,
Uetersener Konventualin 1766-1783
Noch immer begeistert von
Goethes Roman Werthers Leiden,
der 1774 erschienen war,
ließ sie sich 1780 malen
nicht in der Uetersener Stiftstracht,
sondern im Kleid von Werthers Lotte:
"Weiß mit blaßrotem Band."
1783 verließ sie das Stift und wurde
die Gemahlin ihres verwitweten Schwagers
Andreas Peter Graf von Bernstorff.
Gemälde von Jens Juel, Privatbesitz
7.
Klosterhof Nr. 7
Hinter dieser Türe des 1763
erbauten Konventualinnenhauses
war Goethes Gustgen zu Hause.
Hin- und hergerissen von Begeisterung
nach der Lektüre von Werthers Leiden,
wandte sich das damals 21jährige
Klosterfräulein - auch mit Kritik -
an den Autor.
Der von diesem - anonym abgefaßten -
Brief so bezaubert wurde, daß er
"Der teuern Ungenannten" antwortete.
Und so kam ein Briefwechsel in Gang,
der seinesgleichen nicht hat.

8a, 8b. Blick in den zugänglichen Teil des Kreuzganges im Südhaus des Klostergevierts.
1995 als älteste Grabplatte vom Friedhof aufgenommen und konserviert, ist der eine Ritterfigur zeigende Denkstein seitdem vor der Verwitterung geschützt.
Wissenschaftlich zwar nicht haltbar, aber der Sage nach ist dieser Stein für die Uetersener seit Generationen das Grabmal des Klosterstifters Heinrich (II) von Barmstede (+1240)

9. Das Südhaus des Klosterquadrums.
Durch die Jahrhunderte unendlich oft repariert unter Wiederverwendung der alten Steine im Klosterformat sowie auch immer wieder mit neuen aller Art, ist dieses Gebäude, wie das Fundament aufzeigt, aus dem Mittelalter auf uns gekommen. Der innen entlanglaufende Kreuzgang ist noch erhalten, aber nur zu einem kleinen Teil begehbar.
10. Der einstige Klausurgarten wurde zum Friedhof.
Hier fanden die Stiftsdamen ihre letzte Ruhe, in jüngerer Zeit wurden hier auch Pröbste bestattet.

11a, 11b. Das Teehaus.
Seitwärts vom Wege im Park der Priörin gelegen, lädt das kleine Gebäude während der warmen Jahreszeit ein zum gemeinsamen Singen von Volksliedern: einmal im Monat am Sonntagnachmittag um 17 Uhr.
12.
Scheune der Priörin, erbaut ca 1825
In dieses landwirtschaftliche Gebäude
aus alter Zeit, einziges seiner Art,
das die Zeiten überdauerte,
sind Kunst und Kultur eingezogen:
als Stätte für Ausstellungen, Konzerte,
Theater und Lesungen bietet der originelle
Innenraum Platz für an die 100 Besucher.

15.
Pergamentblatt aus einem im
Uetersener Zistzienserinnen-Kloster
gebrauchten Antiphonar, ca 1450 Antiphonen und Responsorien aus einem Stundengebet zum Feste der Hl. Anna.

In der nachreformatorischen Zeit
genutzt zum Einbinden von Kassenbüchern,
überdauerten außer diesem noch sieben weitere Blätter, beidseitig beschrieben, die Jahrhunderte.
Diese jeweils aus einem anderen Buch
herstammenden Pergamentseiten sind der spärliche Rest einer sicherlich einstmals
sehr umfangreichen Klosterbibliothek.
(Foto: Hajo Hartung-KLOSTERTAGE)

16. Konventsiegel des Zisterzienserinnenklosters Uetersen.
1360 erstmalig nachzuweisen, trägt das Siegel die Umschrift:
S(IGELLUM) CONVENTUS IN UTERSEN ORD(I)NIS CISTE(R)SIE(N)SIS.
(Foto: Hajo Hartung KLOSTERTAGE)


17. Die Stiftungsurkunde des holsteinischen Ritters Heinrich von Barmstede.
Das Dokument ist undatiert. Der Zeitpunkt der Stiftung - um 1235 - wurde aus den Lebensdaten des Stifters erschlossen.
(Foto: Hajo Hartung KLOSTERTAGE)
18.
Rose Augusta Luise
Diese Rose hält die Erinnerung fest
an Uetersens prominente Konventualin
Gräfin Stolberg-Stolberg ,
Goethes Gustgen.
(Züchter und Foto:
RosenWelt Tantau, Uetersen)
19. Uetersener Klosterrose
Die zwei dem Uetersener Kloster
gewidmeten Rosen tragen den
Namen der Stadt in alle Welt
Innerhalb einer festlichen
'Literarisch-Musikalischen Reise'
an Goethes 250. Geburtstag wurde
die Rose 'Augusta Luise' in Uetersen
durch Gustchen Stolbergs Biographin
'getauft'.
(Züchter und Foto:
RosenWelt Tantau, Uetersen)

 
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4a, 4b. Die 1748//49 damals neu erbaute Klosterkirche spiegelt sich im Burggraben. Mit dieser Bezeichnung des eine Insel umlaufenden Gewässers hält der Volksmund den Standort der Burg, des Castrums des Klostergründers fest. Der wuchtige, in das Kirchengebäude eingezogene Turm des, in Tradition der einstigen Zisterzienser-Nonnenkirche, nach Osten ausgerichteten 40 Meter langen Gotteshauses wird von der Morgensonne beschienen.
13.
Praebendenhaus
Aus den Zinsen der von der
im Jahre 1713 zur Priörin gewählten
Anna Emerentia von Reventlow (*1680 +1753)
im Jahre 1750 aufgelegten Armenstiftung
wurde dieses Praebendenhaus im Jahre 1879
als Nachfolgebau des damals baufällig gewordenen
Armenhauses vom Anfang des 18. Jahrhunderts
neu errichtet. Die Lebenshaltungskosten
der acht in einzelnen kleinen Wohnungen
untergebrachten Hilfsbedürftigen wurden,
wie auch schon im alten Gebäude,
vom Kloster getragen.

14. Das klösterliche Vorwerk, erbaut 1818
Der Klostergärtner, der den Park in Ordnung hält, hat hier seine Wohnung.
In früherer Zeit standen hier die Kutschen der Klosterdamen
- so sie denn über eigene verfügten, was nicht immer der Fall war.
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